Vier Prinzipien für erfolgreiche Projekte

Teamarbeit als Grundlage erfolgreicher Projekte

Prinzip 3 – Warum Modelle erfolgreiche Projekte voranbringen

Komplexe Ideen bleiben abstrakt, solange sie nur beschrieben werden. Modelle, Skizzen und Prototypen machen unterschiedliche Vorstellungen sichtbar und schaffen die Grundlage für gemeinsame Entscheidungen.


Es gibt einen Moment, den vermutlich jeder Projektleiter schon erlebt hat. Nach einem Workshop verlassenEs gibt einen Moment, den vermutlich jeder Projektleiter schon erlebt hat. Nach einem Workshop verlassen alle Beteiligten den Besprechungsraum mit dem Gefühl, dass jetzt endlich Klarheit herrscht.

Die Anforderungen wurden besprochen. Die nächsten Schritte sind abgestimmt. Die Präsentation wird verschickt. Alle nicken zustimmend.

Eine Woche später beginnt dieselbe Diskussion erneut.

Nicht, weil jemand nicht zugehört hätte, oder, weil Informationen fehlen. Sondern weil Sprache erstaunlich unpräzise ist. Begriffe wie modernisierenmigrierenbetriebsbereit oder Go-live wirken eindeutig. Tatsächlich verbindet jeder Mensch mit ihnen ein etwas anderes Bild.

Bereits Goethe schrieb: „Es hört doch jeder nur, was er versteht“. In heutigen Projektorganisationen sieht das dann etwa so aus: Der Fachbereich denkt an neue Prozesse. Die IT an neue Systeme. Der Betrieb an stabile Infrastruktur. Das Management an den Business Case. 

Alle benutzen dieselben Wörter. Und trotzdem sprechen sie über unterschiedliche Realitäten. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen komplexer Projekte. Wir überschätzen die Fähigkeit von Dokumenten, gemeinsames Verständnis zu schaffen.

Dokumente transportieren Informationen. Gemeinsames Verständnis entsteht jedoch erst dann, wenn Menschen dieselbe Vorstellung entwickeln. Frank Gehry scheint dieses Prinzip früh verstanden zu haben.

Der Harvard Business Manager beschreibt eindrucksvoll, wie intensiv Gehrys Teams mit Modellen, Varianten und Simulationen arbeiten. Wer diese Modelle betrachtet, könnte leicht glauben, sie dienten in erster Linie der architektonischen Präzision. Ich glaube inzwischen etwas anderes:

Sie dienen dazu, Denkprozesse sichtbar zu machen.

Ein Modell beantwortet zunächst nicht die Frage, „Ist das die richtige Lösung?“ Es beantwortet eine viel grundlegendere Frage. „Meinen wir überhaupt alle dasselbe?“

Genau darin liegt die eigentliche Stärke. Ein Modell macht Unterschiede sichtbar, die in Gesprächen oft verborgen bleiben. Plötzlich zeigt sich, dass Auftraggeber und Planer dieselbe Anforderung unterschiedlich interpretiert haben. Dass Ingenieure von anderen Randbedingungen ausgehen. Oder dass eine scheinbar eindeutige Entscheidung völlig unterschiedlich verstanden wurde.

Diese Erkenntnisse kosten in der Konzeptphase wenig. Aber während der Umsetzung können sie Millionen kosten. Vielleicht besteht der größte Wert eines Modells deshalb gar nicht darin, Antworten zu liefern. Viel mehr besteht sein größter Wert darin, die richtigen Fragen zu provozieren.



Diese Erfahrung hat meine Sicht auf Dokumentation grundlegend verändert. Früher dachte ich, Dokumentation diene in erster Linie dazu, Wissen festzuhalten. Heute sehe ich ihren eigentlichen Zweck differenzierter. 

Dokumentation hält Entscheidungen fest. Modelle erzeugen gemeinsames Verständnis.

Das ist kein sprachlicher Unterschied. Es ist ein grundlegend anderes Verständnis von Zusammenarbeit.  Eine Spezifikation beantwortet die Frage: „Was haben wir beschlossen?“ Ein Modell beantwortet die viel wichtigere Frage: „Haben wir überhaupt dasselbe verstanden?“ Mittels KI können Modelle heute zudem in Projekten jeder Größe in einem machbaren Rahmen umgesetzt werden.

Projekte sollten deshalb früher visualisieren und später dokumentieren. Nicht weil Dokumentation unwichtig wäre. Sondern weil gemeinsames Verständnis immer vor vollständiger Dokumentation entstehen muss.

Modelle reduzieren keine technische Unsicherheit. Sie reduzieren Interpretationsspielräume.

Ich glaube, dass genau darin eines der erfolgreichsten Prinzipien Frank Gehrys liegt. Nicht die Modelle machen seine Projekte außergewöhnlich. Sondern die Gespräche, die durch diese Modelle entstehen.

Innovation beginnt deshalb nicht nur mit einer guten Idee, sondern auch mit einem gemeinsamen Bild.

Und genau dieses Bild entscheidet häufig darüber, ob Projekte später schnell vorankommen – oder sich immer wieder mit denselben Missverständnissen beschäftigen. Im nächsten Kapitel wird deutlich, dass genau hier auch der Zusammenhang zwischen guter Vorbereitung und hoher Umsetzungsgeschwindigkeit liegt.

Denn außergewöhnlich erfolgreiche Projekte arbeiten keineswegs langsamer. Sie investieren ihre Zeit lediglich an einer anderen Stelle.

Kategorien: Consulting, Kommunikation
Michael Höpfl

Geschrieben von:Michael Höpfl Alle Beiträge des Autors

Ich schreibe und poste hier zu Themen, die mich seit jeher privat als auch beruflich interessieren und begleiten. [Mehr über mich]

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