Die meisten Projekte scheitern nicht während der Umsetzung. Sie scheitern bereits in der Art, wie sie beginnen.
Warum verlaufen manche erfolgreiche Projekte scheinbar mühelos, während andere trotz erfahrener Projektleiter, detaillierter Projektpläne und ausreichender Budgets immer wieder ins Stocken geraten? Diese Frage beschäftigt mich in meiner Funktion als Projektleiter und Projektmanager immer wieder.
Dabei geht es nicht nur um IT-Projekte. In den vergangenen Jahren habe ich ähnliche Muster in Transformationsprogrammen, Organisationsentwicklungen, Infrastrukturprojekten und sogar beim Blick auf Architektur oder öffentliche Großvorhaben wiedergefunden. Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich erheblich – die zugrunde liegenden Herausforderungen erstaunlich wenig. Genau deshalb lohnt sich der Blick über die eigene Disziplin hinaus.
Was kann ein Architekt einem Projektleiter über erfolgreiche Projekte beibringen?
Vermutlich mehr, als man zunächst erwarten würde. Der Ausgangspunkt dieses Artikels ist ein Beitrag des Harvard Business Manager über den Architekten Frank Gehry1.
Je länger ich mich mit Gehrys Arbeitsweise beschäftigt habe, desto häufiger musste ich an eigene Projekte denken. Nicht, weil IT-Projekte und Architektur dieselben Herausforderungen hätten. Sondern weil beide etwas Gemeinsames haben: Menschen müssen gemeinsam etwas erschaffen, das es vorher noch nicht gab.
Genau deshalb lohnt sich der Blick über die eigene Disziplin hinaus.
Ich verbinde mit diesem Text meine Erkenntnisse aus Projektforschung, Managementliteratur und Projekterfahrungen. Ziel ist ausdrücklich keine Zusammenfassung einzelner Quellen, sondern die Entwicklung einer eigenständigen Perspektive auf erfolgreiche Projekte.
Ein Projekt beginnt nicht mit seinem offiziellen Start. Es beginnt in dem Moment, in dem Menschen beginnen, über dieselbe Aufgabe nachzudenken. Und genau dort entstehen häufig bereits die ersten Risiken.
Fragt man Projektleiter, wann ein Projekt beginnt, erhält man meist ähnliche Antworten.
- „Mit dem Projektauftrag.„
- „Mit dem Kick-off.„
- „Mit der Budgetfreigabe.„
- „Mit dem ersten Eintrag im Projektplan.„
Je länger ich Projekte begleiten durfte, desto stärker hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Antworten zwar nachvollziehbar sind – aber den entscheidenden Punkt verfehlen.
Was Frank Gehry über erfolgreiche Projekte lehrt
Als ich den Beitrag „Keiner plante besser als Frank Gehry“ im Harvard Business Manager las, erwartete ich zunächst einen Artikel über einen außergewöhnlichen Architekten und sein Schaffen.
Ich wurde überrascht. Der eigentliche Gegenstand des Artikels war Projektmanagement.
Bent Flyvbjerg und Dan Gardner beschreiben Frank Gehrys Arbeitsweise vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Forschung zu Großprojekten. Ihre zentrale Beobachtung lautet sinngemäß:
Außergewöhnlich erfolgreiche Projekte unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie weniger komplex sind. Sie unterscheiden sich dadurch, wie sie mit Komplexität umgehen.
Sie bringen Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven etwas entwickeln sollen, das es vorher noch nicht gab. Genau darin liegt ihre eigentliche Gemeinsamkeit. Es geht daher nicht um die Technologie oder die Branche. Sondern den Umgang mit Unsicherheit. Und genau deshalb lohnt sich als Projektmanager der Blick über die eigene Disziplin hinaus.

